Radikalität, Widerstand und Literatur – Wie schreibt es sich in einer Welt aus den Fugen?
Lesung und Gespräch mit Benjamin Baumann („Kollateralschädel“)
Als Medium grenzüberschreitender Erkenntnis macht Literatur das Fremde als etwas Eigenes
erfahrbar. Birgt sie darin einen unablässigen ethischen Anspruch, der in seiner humanitären
Verpflichtung radikal sein sollte?
Roger Willemsen verhaftet Literatur an den „Widerspruch gegen Verhältnisse, die
Menschenrecht verletzen“. Dabei schaffe sie keine Affirmation, sondern stehe „im Dienst einer
Entzifferung der uns umgebenden Lebenswirklichkeit“.
Ist der literarische Entwurf des Möglichen widerständig gegenüber der zwingenden Not des
Wirklichen? Und ist das Wirkliche gegenwärtig wirklich aus den Fugen?
Gerade in der imaginierenden Überwindung von Sprachräumen sowie konfessionellen oder
ethnischen Gruppen wird Literatur zum utopischen Ort universeller Menschlichkeit. Oder
disqualifiziert ihre privilegierte Position einen solchen Ort von vornherein?
Lässt sich ohne moralisierende Lehrsätze engagiert schreiben, ohne in die Falle ideologischer
Banalität zu tappen? Oder ist umgekehrt diese vermeintliche Falle eine Ausrede für fehlenden
Mut eines selbstbezüglichen Kulturbetriebs, der es versäumt, die eigenen ethischen Ansprüche
deutlicher zu formulieren?
Benjamin Baumann fragt in Lesungen politischer Lyrik und im Austausch mit dem Publikum
nach den Regeln der Kunst und ihrem Verhältnis zur Macht, nach der Möglichkeit, radikal zu
schreiben, ohne Komplexität aufzugeben und letztlich nach dem eigenen literarischen
Standpunkt und einem abseitigen Leben im Widerstand – wogegen eigentlich?
Tickets an der Abendkasse: 8 € / ermäßigt 5 €
Benjamin Baumann ist Arbeiterkind, Philosoph, (politischer) Autor, Lyriker und Künstler.
2024 erschien im Leipziger Literaturverlag sein Debüt “Kollateralschädel”. Es erhielt den
Meißner Literaturpreis und wurde in die Liste der Lyrikempfehlungen 2025 aufgenommen.
Baumann lebt in Leipzig und geht 2026 auf literarische Europareise.